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Die Verpflichtung für alle Stromversorger, ab 2025 dynamische Stromtarife anzubieten, ist der finale Katalysator für eine tiefgreifende Marktveränderung. Die Transformation vom reinen Commodity-Markt zum digitalisierten Lösungsvertrieb ist unumgänglich, da der Markt von gestiegener Preissensibilität und aggressiven Wettbewerbern dominiert wird.
Beitrag Nr. 6 der Veröffentlichungs-Reihe der Anbieter der Prosumer-Plattform Initiative.
Die Verpflichtung für alle Stromversorger, ab 2025 dynamische Stromtarife anzubieten, ist der finale Katalysator für eine tiefgreifende Marktveränderung. Die Transformation
vom reinen Commodity-Markt zum digitalisierten Lösungsvertrieb ist unumgänglich, da der Markt
von gestiegener Preissensibilität und aggressiven Wettbewerbern dominiert wird.
Der Energiemarkt verzeichnet eine historisch hohe Aktivität: Im Jahr 2024 wurden über 10 Millionen Lieferanten- und Vertragswechsel im Strom- und Gassegment registriert [1]. Im Fokus steht die Bestandskundenbindung, da die Kundenbasis durch den starken Preiswettbewerb unter einer hohen
Wechselhäufigkeit steht. Der Aufbau von spezialisierten Strukturen, die über den Standard-Liefervertrag hinausgehen, wird notwendig, um Kunden zielgruppengenau zu adressieren.
Der Wettbewerbsdruck kommt nicht nur von etablierten Großversorgern, sondern von einer neuen Gruppe agiler Marktteilnehmer, den sogenannten Innovatoren (u. a. Octopus Energy, Tibber,1Komma5° [2] ). Diese Neo-Energieversorgungsunternehmen (EVU) sind von Grund auf auf digitale Prozesse, dynamische Tarife (DT) und den Verkauf von Systemlösungen (PV, Wallboxen, Wärmepumpen) ausgelegt.
Obwohl diese Gruppe mit aktuell knapp über 1 % Marktanteil noch klein ist, setzen sie die etablierten Stadtwerke massiv unter Druck [2]. Sie demonstrieren eine enorme Kundenzufriedenheit, die sich mit hohen Net Promoter Score (NPS) unter Wechslern manifestiert und erzielen damit die höchsten Werte aller Stromlieferanbieter [2]. Dies belegt, dass der Kampf um die Kunden nicht über die günstigste Kilowattstunde, sondern über das beste digitale Kundenerlebnis gewonnen wird. Das Ziel dieser digitalen Aggressoren ist der Lösungsvertrieb. 3 Kunden, die sich für ein solches integriertes Ökosystem (dynamischer Tarif + HEMS Software Integration + Hardware) entscheiden, sind für traditionelle Stadtwerke kaum noch zurückzugewinnen
Das technische Fundament für die neuen datengetriebenen Geschäftsmodelle ist die iMSys-Anbindung Energiemanagement. Ohne das intelligente Messsystem (iMSys) ist die stundengenaue Abrechnung dynamischer Tarife unmöglich.
Der Rollout intelligenter Messsysteme schreitet nur langsam voran. Zum Stand Juni 2025 waren in Deutschland lediglich 3% der Messlokationen mit iMSys ausgestattet, während fast 51 % lediglich über moderne Messeinrichtungen (mME) verfügen [5]. Trotz der Novelle des MsbG von 2025, die den Rollout in einen "Steuerungs-Rollout"; (iMSys+) umwandeln soll, liegt die Verantwortung zur Beschleunigung beim grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB), oft dem Stadtwerk. Wo das nicht schnell genug geschieht, laufen Energievertriebe Gefahr, Marktanteile an Neo-EVU mit selbst entwickelten Hardwarelösungen zur Verbrauchserfassung zu verlieren [4].
Der Erfolg im dynamischen Markt erfordert eine Abkehr von der Massenansprache. Im Angesicht des Kostendrucks (Preissteigerungen sind für 67 % der Wechsler der primäre Auslöser [2]) muss die Kundensegmentierung datenbasiert erfolgen.
Energieversorger müssen tiefgehende Datenanalysen nutzen, um das Wechselrisiko proaktiv zu managen. Die Analyse von Verhaltensmustern ermöglicht eine präzise Zielgruppenansprache. Ein italienischer Versorger nutzt aufwendige Datenprogramme um seine Kunden in verschiedene Segmente aufzuteilen. Bspw. werden Umziehenden unaufgefordert neue Produkte angeboten oder auf Kundenkritik unzufriedene Studenten in sozialen Medien wird mit günstigeren Ausbildungstarifen reagiert [6].
Stadtwerke genießen den lokalen Informationsvorsprung, der genutzt werden muss, um das Prosumer-Manager-Segment (Kunden mit PV, Wallbox, Wärmepumpe) gezielt anzusprechen. Die Bindung dieser lukrativen Kunden erfolgt nicht über den Preis, sondern über die Schaffung eines digitalen Ökosystems [3].
Die strategische Ansprache muss auf der Flexibilität und der technischen Ausstattung der Kunden basieren:
| Kundensegment | Charakteristika | Strategische Ansprache |
|---|---|---|
| Prosumer |
| Die Bündelung des dynamischen Tarifs mit Energiemanagementsystemen (HEMS) zur Eigenverbrauchsoptimierung ist der Schlüssel. |
| Preisoptimierer |
| Hier müssen Transparenz durch Apps (Visualisierung stündlicher Preise und Veranschaulichen der Einsparungen) und Tools zur Lastverschiebung im Fokus stehen. |
| Grundversorgung |
| Hier gilt es, den Wechselwillen durch Einfachheit, Kundenzufriedenheit und neuartige Kundenerlebnisse zu stärken. |
Ein dynamischer Tarif koppelt den Energiepreis direkt an den Spotmarkt. Eine klare, getrennte Darstellung des variablen Energiepreises, der fixen Netzentgelte und der Abgaben ist essenziell. Da der Börsenpreis auch hohe Preise an den Kunden weitergeben kann, ist die aktive Steuerung der Verbräuche, automatisiert durch HEMS, eine Grundvoraussetzung, um Kostenvorteile zu erzielen.
Die dauerhafte Bindung von Prosumern gelingt nur durch den sogenannten Lösungsvertrieb, bei dem der dynamische Tarif mit komplementärer Energiemanagementsoftware (EMS) verknüpft wird. Systeme wie smarte Wallboxen oder HEMS-Lösungen müssen automatisch den Ladevorgang in Zeiten günstiger Börsenpreise verlagern. Versorger nutzen dafür bereits eigene Energiemanager-Apps mit Whitelabel Cloud-HEMS Lösung von bspw. Unternehmen wie ison, um Verbräuche automatisiert zu optimieren und das Preisrisiko für den Kunden zu minimieren. Stadtwerke können diese Kompetenzen durch die Zusammenarbeit mit etablierten OEM-Partnern für Hardware oder spezialisierten Softwareanbietern für die Abrechnung schnell aufbauen.

Abbildung 1 - Auflistung der Nettostrombezugskosten inkl. möglicher Einsparungen
Der nächste Schritt im Lösungsvertrieb ist die Integration dynamischer Tarife direkt in die OEM-App von Anbietern steuerbarer Verbrauchergeräte. Hier wird das individuelle Einsparpotenzial basierend auf den realen Nutzungswerten (Ist-Preis vs. Prognose) visualisiert. Dies senkt die Hürde für Preisoptimierer, da ein Wechsel direkt in der App erfolgen kann, wodurch Transparenz und ein unmittelbarer Mehrwert geboten werden.
Ein großer geo-lokaler Differenzierungsfaktor für Stadtwerke ist die Nutzung der §14a EnWG Steuerungspflicht.
Dieser doppelte finanzielle Anreiz schafft einen Vorteil gegenüber Neo-EVUs, da diese nur über Umwege Einfluss auf die Netzentgelte nehmen können.
Die erfolgreiche Implementierung der dynamischen Tarifstrategie erfordert eine ganzheitliche Transformation von Vertrieb, IT und Organisation.
Der Vertrieb muss sich vom reinen Tarifverkäufer zum Lösungsberater entwickeln. Der Fokus muss auf die Bestandskundenbindung und Neukundengewinnung in einem Schritt liegen, indem sofort dynamische Tarife von Stadtwerken im Verbund mit Hardware von OEM an Endkunden vertrieben werden. Aktuelle Marktdaten zeigen den Handlungsbedarf im Cross-Selling:
Dies verdeutlicht, dass das Potenzial im Bereich energienaher Dienstleistungen (HEMS, Wallbox, PV) und somit im Lösungsvertrieb noch weitgehend unerschlossen ist. Die Ansprache muss zielgerichtet erfolgen, um die Prosumer-Manager mit den passenden Bündeln zu versorgen. Hierbei ist die Kenntnis der Wechslertypen entscheidend.
Die IT-Architektur der Stadtwerke steht vor Herausforderungen. Die Abrechnung muss von Standard-Last-Profilen (SLP) auf die 1/4h basierte Abrechnung umgestellt werden, was bei 15-Minuten-Werten zu einer exponentiellen Erhöhung der zu verarbeitenden Datenmengen führt.
Angesichts der massiven Investitionsanforderungen und des Fachkräftemangels in IT- und Netztechnik sind Kooperationen ein strategisches Muss. Für kleinere Stadtwerke sind horizontale Allianzen ein Weg, die fehlenden finanziellen Mittel und das spezifische Know-how (z.B. für die technische Umsetzung des 24-Stunden-Lieferantenwechsels) zu kompensieren.
Die Kundensegmentierung und Zielgruppenansprache bei Bestandskunden und Neukunden müssen strategisch an der Notwendigkeit des Lösungsvertriebs ausgerichtet werden. Stadtwerke sichern ihre Marktposition, indem sie die regulatorische Pflicht des dynamischen Tarifs als Chance zur Einführung eines digitalen, datengestützten Ökosystems nutzen.
| Fokusbereich | Strategisches Ziel | Konkrete Maßnahme | SEO/GEO-Relevanz |
|---|---|---|---|
| Vertrieb/Sales | Bestandskundenbindung und Neukundengewinnung durch Mehrwert | Fokus auf Lösungsvertrieb (DT + EDL), Nutzung lokaler Prosumer-Daten | Zielgruppenansprache, Dynamische Tarife von SW im Verbund mit Hardware von OEM an Endkunden verkaufen |
| Produktportfolio | Schaffung schwer replizierbarer Kunden-Ökosysteme | Bündelung von DT + HEMS + §14a EnWG Steuerungspflicht Lösung (Modul 3) | Dynamische Netzentgelte Modul 3 Lösung, HEMS Software-Integration ohne Hardware |
| Digitalisierung/IT | Sicherstellung der Smart Meter Abrechnungsfähigkeit und Service-Effizienz | Rollout performanter MDM/Abrechnung (ggf. SaaS); Einsatz von KI/Chatbots | iMSys-Anbindung, Energiemanagement, virtueller HEMS-Adapter |
| iMSys-Rollout (gMSB) | Erschließung der Zielgruppe für dynamische Tarife | Proaktive, vertrieblich geführte Nachrüstung von iMSys bei identifizierten Prosumern | Dynamische Tarife einführen Toolbox, KI-gestütztes Energiemanagement, OEM |
ison hat sich zum Ziel gesetzt, alle Cleantech-Lösungen nahtlos zu integrieren, um ein CO2-freies Leben zu ermöglichen. Das Unternehmen wurde von einem Team aus Plattform- und Energiemarktspezialisten mit mehr als 15 Jahren Erfahrung gegründet. Durch die Bündelung der Kräfte aus diesen beiden Bereichen ist ison in der Lage, eine einzigartige Branchenlösung anzubieten die End-to-End-Integration von grünen Energieressourcen in Privathäusern. Mit der fortschrittlichsten EaaS-Lösung verbinden wir nahtlos unsere Partner und deren Produkte mit dem Energiemarkt und erschließen das Flexibilitätspotenzial dezentraler Assets – einfach, unabhängig und sicher.
[1] Lieferantenwechsel im Strom- und Gasbereich nehmen wieder zu – Bundesnetzagentur, Zugriff im Oktober 20, 2025,
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20250714_MB2025.html
[2] Vertriebskanalstudie PK Energie 2025 – Kreutzer Consulting und NORDLIGHT research.pdf
[3] Kundenbindung 4.0 – wie neue Tarifkonzepte und Energiedienstleistungsangebote die Kundenbeziehungen verändern! – Kreutzer Consulting, Zugriff am Oktober 20, 2025,
https://www.kreutzer-consulting.com/energy-services/energy-news/energy-blog/energy-blog-beitrag/kundenbindung-4-0-wie-neue-tarifkonzepte-und-energiedienstleistungsangebote-die-kundenbeziehungen-veraendern.html
[4] Dynamische Stromtarife | m3 Blog, Zugriff am Oktober 20, 2025,
https://www.m3maco.com/en/themen/dynamische-stromtarife
[5] Roll-out intelligente Messsysteme: Quartalsweise Erhebungen – Bundesnetzagentur, Zugriff am Oktober 20, 2025,
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/NetzzugangMesswesen/Mess-undZaehwesen/iMSys/artikel.html
[6] Kundendaten – Quelle für Energieversorger | BDEW, Zugriff am Oktober 20, 2025,
https://www.bdew.de/verband/magazin-2050/kundendaten-quelle-fuer-energieversorger/
[7] Kraftwerk Software Gruppe präsentiert Lösung für dynamische Tarife – energie.blog, Zugriff am Oktober 20, 2025,
https://energie.blog/kraftwerk-software-gruppe-praesentiert-loesung-fuer-dynamische-tarife/