Veröffentlicht am:
Der HEMS-Finder umfasst nahezu den gesamten B2B- und B2C-Markt für HEMS in Deutschland. Die aktuelle Auswertung der 59 im HEMS-Finder erfassten Anbieter und Hersteller zeigt Unterschiede in Marktangebot und Funktionen.
Beitrag Nr. 2 der Veröffentlichungs-Reihe der Anbieter der Prosumer-Plattform Initiative.
Das zentrale Ziel eines HEMS besteht darin, den Ladevorgang von Elektrofahrzeugen sowie den Betrieb von Wärmepumpen und Heizstäben (Power-to-Heat) in Kombination mit elektrischen und thermischen Speichern zeitlich zu flexibilisieren. Auf der einen Seite ermöglicht die Flexibilisierung durch ein HEMS den kostenoptimierten Betrieb durch die Nutzung von PV-Eigenverbrauch sowie von dynamischen Stromtarifen. Auf der anderen Seite besteht die Notwendigkeit steuerbare Verbrauchseinrichtungen (SteuVE) durch ein HEMS in das Stromnetz zu integrieren. Dabei soll der HEMS-Finder den „Rollout“ von HEMS beschleunigen und Akteure in der praktischen Umsetzung unterstützen.

Abbildung 1: Übersicht der 59 Hersteller und Anbieter von HEMS. Auszug der HEMS-Finder-Datenbank am 27.10.2025. Listung aller Unternehmen: B2B und B2C.
Markt: Der HEMS-Finder umfasst nahezu den gesamten B2B- und B2C-Markt HEMS. Die aktuelle Auswertung der 59 im HEMS-Finder erfassten Anbieter und Hersteller zeigt, dass sich 86 % der Angebote an Installateure und den Großhandel richten, 54 % ihre Lösungen als White-Label-HEMS anbieten und 38 % ihre Produkte direkt an Privatpersonen vertreiben.
Abbildung 2: Vertrieb der Systeme: B2B und B2C
Technische Unterschiede: HEMS unterscheiden sich in der Art der Umsetzung im jeweiligen Gebäude. Grundlegend ist eine HEMS-Software unabhängig von der Hardware. Jedoch werden HEMS auf Grund von produktstrategischen Gründen, Kompatibilität und Vertrieb unterschiedlich im Markt angeboten.

Abbildung 3: Unterscheidung der Hersteller nach Systemarten und deren Abhängigkeit zu eigenen Produkten nach herstelleroffen und herstellergebunden.
Dabei zeigt sich, dass der größte Teil (89 %) der erfassten Systeme lokale HEMS sind. Darunter fallen standalone Controller ebenso wie integrierte HEMS ("embedded HEMS"), die beispielsweise in Hybridwechselrichtern, Batteriespeichern oder Wallboxen verbaut sind. Im Gegensatz dazu arbeiten Cloud-basierte HEMS ohne eigenen Controller. Nach der im HEMS-Finder (Stand: Oktober 2025) festgelegten Definition gilt ein HEMS als herstellerunabhängig, wenn mindestens zwei unterschiedliche Hersteller für die angebundenen Geräte (Wärmepumpe, Wallbox, Wechselrichter und Heizstab) integriert werden können. Nach dieser Definition sind derzeit 69 % der angebotenen HEMS am Markt herstellerunabhängig. Eine detailliertere, dreistufige Definition befindet sich derzeit in Entwicklung. Herstellerunabhängige Systeme werden in der Praxis häufig von Installateuren nachgefragt, erfordern jedoch in der Regel mehr Fachwissen, da die Peripherie oft individuell konfiguriert werden muss und zunächst ein kompatibles Setup gefunden werden muss.
Funktionen: Eine Grundfunktion eines HEMS ist die optimale Nutzung der selbstproduzierten PV-Energie. Sobald die PV-Anlage mehr Energie generiert, als im Haushalt gerade verbraucht wird, entsteht überschüssige Energie, welche ohne weitere Technik erstmal in das Verteilnetz eingespeist werden würde (Vergütung entsprechend dem EEG). Neben dem ursprünglichen Ansatz zur PV-Eigenverbrauchsoptimierung durch ein Batteriespeichersystem kann das HEMS die Leistung des BEVs, der Wärmepumpe, des Heizstabs sowie von weiteren Verbrauchern durch schaltbare Steckdosen (Smart-Plugs) an die verfügbare Überschussleistung anpassen.

Abbildung 4: Auswertung und Bewertung der Funktionen: PV-Überschuss und dynamischer Stromtarif (unabhängig von gerätespezifischer Kompatibilität).
Die PV-Überschusssteuerung für die definierten steuerbaren Verbraucher (Wallbox, Wärmepumpe und Batteriespeicher) wird von nahezu allen Anbietern unterstützt, ebenso wie die Ansteuerung eines Heizstabs. Zu beachten ist jedoch, dass diese Auswertung den „optimalen Fall“ abbildet und herstellerunabhängig die vorhandene Peripherie berücksichtigt. Die Steuerung über eine Elektrofahrzeug-API ist hingegen nur bei 29 % der HEMS möglich. In der Analyse zeigt sich, dass die Funktion „Dynamischer Stromtarif“ aktuell deutlich weniger integriert ist als die PV-Überschuss-Regelung. Hervorgehend aus den Herstellergesprächen arbeiten nahezu alle Hersteller aktiv an der Integration. Die spezifische Integration der Systeme zeigt, dass BEV, Wärmepumpe und Batteriespeicher jeweils in ca. 75 % der Systeme integriert sind, Heizstäbe und Smart-Plugs deutlich weniger.
§ 14a-Steuervorgänge werden nur im Notfall bei einem drohenden Engpass umgesetzt (Ultima-Ratio-Maßnahme). Bis 2028 können Steuervorgänge auf Basis von definierten Zeitfenstern (präventive Steuerung) erfolgen, ab 2029 müssen diese auf Echtzeitmessungen (netzorientierte Steuervorgänge) basieren. Jedoch können und möchten derzeit nur wenige Netzbetreiber entsprechende Steuervorgänge durchführen (Hintergründe sind bspw. die Integration und Abwicklung von Prozessen, erforderliches iMSys sowie die Berücksichtigung in der Netzausbauplanung). Mit Inkrafttreten der Festlegung zur Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG müssen seit 01.01.2024 neu installierte Wallboxen, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Batteriespeichersysteme sowie langfristig auch Bestandsanlagen ab einer jeweiligen Bezugsleistung >4,2 kW mit einer Steuermöglichkeit durch den Netzbetreiber ausgestattet werden. Grundsätzlich kann zwischen den Varianten „Direktsteuerung“ (ohne HEMS) und „Steuerung mit HEMS“ unterschieden werden. Letztere ermöglicht sowohl eine bessere Ausnutzung der Mindestbezugsleistung als auch eine Vereinfachung des Installationsaufwands.

Abbildung 5: Auswertung der Umsetzung von § 14a-Steuervorgängen zwischen HEMS und Steuereinrichtung.
Die Auswertung zeigt, dass derzeit rund 46 % der untersuchten Anbieter EEBUS als digitales Kommunikationsprotokoll unterstützen (basierend auf Herstellerangaben). Zudem verfügen 60 % der Systeme über eine Relais-Schnittstelle zur Ansteuerung externer Verbraucher. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung vom Januar 2025 entspricht dies einer Zunahme: Damals lag der Anteil der EEBUS-Implementierungen bei 35 %, bzw. der Relais-Schnittstellen bei 49 %. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Anzahl der erfassten Anbieter in der Datenbank im selben Zeitraum von 43 auf 59 gestiegen ist.
Schnittstellen und Kommunikation (Stand: Januar 2025): Die Art der Schnittstellen und Kommunikation eines HEMS stellen einen zentralen Aspekt sowohl in der Produktentwicklung als auch in der späteren praktischen Anwendung dar. Die Auswahl der Schnittstellen hängt dabei von vielen Faktoren ab, z. B. der Ausrichtung im Markt, den technischen Anforderungen, der Übertragungssicherheit, der Zuverlässigkeit, den regulatorischen Vorgaben und der Wartungsfreundlichkeit. Wie die Diskussionen im Rahmen des HEMS-Symposiums 2024 und 2025 zu Schnittstellen und Kommunikation sowie die Gespräche mit verschiedenen Herstellern gezeigt haben, ist das Thema von sehr hoher Relevanz.

Abbildung 6: Analyse der implementierten Schnittstellen zu SteuVE und Steuereinrichtung (basierend auf 43 Anbietern).
Die Darstellung der Schnittstellen erfolgt aufgesplittet nach SteuVE bzw. Steuereinrichtung in absoluter Darstellung in Bezug auf alle HEMS. Hintergrund ist die klare Darstellung, da nicht alle Funktionen in jedem HEMS verfügbar sind. Die Analyse zur Steuerung des BEVs zeigt, dass die Protokolle Modbus TCP, API (Cloud) sowie Modbus RTU und OCPP führend sind. Bei der Steuerung von Wärmepumpen dominiert hingegen die Variante SG Ready mittels Relais-Steuerung (33/43 HEMS), gefolgt von Modbus TCP. Die Integration von Batteriespeichersystemen wird primär via Modbus TCP sowie via Modbus RTU, API (lokal und cloud) und Sunspec umgesetzt. In der netzdienlichen Steuerung für § 14a-Steuervorgänge steht die Relais-Variante sowie EEBUS-Variante im Vordergrund. Die Vielzahl an verschiedenen Varianten steigert sich nochmals mit spezifischen Kompatibilitäten der Systeme. Ein einheitlicher Ansatz würde sowohl Entwicklern, Installateuren als auch Endverbrauchern eine erhebliche Erleichterung bei der Planung und Umsetzung bedeuten. In mehreren Umfragen wurde die Interoperabilität als größte Herausforderung der praktischen Umsetzung sowie als häufigster Verbesserungsvorschlag gegenüber Herstellern genannt.